Rose bellt, wenn es klingelt

In unserer Serie „Fall gelöst“ stellen wir Ihnen jeweils einen Beispielfall vor und berichten aus der Hundeschule, wie Trainer, Halter und Hund ein konkretes „Problem“ angegangen sind und gelöst haben. Diesemal schildern wir Ihnen den Fall von Mischlingshündin Rose, die in die Hundeschule „Die Zamperlschule“ in München geht.

Hundeschule Fall geloest

Rose ist ungefähr sechs Jahre alt und aus dem Tierschutz in Rumänien. Ihre Besitzerin, Silvia Burkart, hat sie im Erwachsenenalter aufgenommen. Inzwischen lebt Rose seit rund drei Jahren als einziger Hund in ihrem Haushalt. Silvia kam mit Rose zunächst wegen Mantrailing und anderen Beschäftigungsformen in die „Zamperlschule“ zu Hundetrainerin Sandra Hofmeister. Doch bald bat sie um ein Einzeltraining. Denn der Hund bellt immer lautstark, wenn jemand an der Haustür klingelt. Sandra schildert uns den Fall so: „Rose zeigt ein richtig lautes Alarmbellen und ist als Erste an der Tür – sie rennt dann zurück, wenn die Besitzerin für ihre Verhältnisse zu langsam ist, und wieder zur Tür. Sie bedrängt den Besuch, springt an ihm hoch und drängt sich auf dem Sofa zwischen ihre Besitzerin und den Gast. Man merkt, es ist ihr gar nicht recht, wenn andere Leute da sind. Es dauert sehr lange, bis Rose sich wieder beruhigt und aufhört zu Bellen.“ Das Verhalten der bellenden Rose wurde so problematisch für Silvia, dass sie die Hündin in einen anderen Raum sperren musste, wenn Besuch kam. „Besonders schlimm ist es, wenn die Freundin meines Bruders uns besucht. Da ist sie regelrecht eifersüchtig“, erzählt Silvia.

Bellender Hund – der unsichere Tyrann

„Eigentlich ist Rose eine sehr unsichere Hündin“, erklärt Sandra. „Wenn sie draußen ist, verhält sie sich fremden Hunden und Menschen gegenüber sehr zurückhaltend. Zu Hause dagegen fühlt sie sich wohl und ist eine richtige kleine Tyrannin, die ihre Leute voll im Griff hat.“ Das Problem, dass ihr Hund auf die Klingel mit heftigem Bellen reagiert, hatte Silvia von Anfang an. Rose kannte kaum Regeln Sandra trainiert nun seit rund drei Monaten mit den beiden. Ihr Ziel ist, dass Rose auf ihren Platz geht, dort bleibt und sich still verhält, wenn es klingelt. Da die Hundetrainerin beim Üben in Roses Zuhause festgestellt hat, dass Rose sich insgesamt sehr fordernd verhält und kaum Regeln kennt, arbeitet sie auch daran, mit der Besitzerin allgemeine „Hausregeln“ für die Hündin festzulegen. „Silvia hat das gleich zugegeben und es mit Humor genommen“, erzählt Sandra lachend. „Roses hat zum Beispiel immer nach dem Abendessen noch ein Leckerli gefordert. Wenn sie es nicht bekam, wurde sie richtig aufdringlich.“ Inzwischen hat Silvia gelernt, nicht mehr auf alles einzugehen, was der Hund will. Im Folgenden erklärt die Hundetrainerin, mit welchen Teilschritten sie bei Roses „Umerziehung“ vorgegangen ist und dem Hund das Bellen abgewöhnt hat. „Grundsätzlich sollte das Training von Seiten des Besitzers so unaufgeregt wie möglich von statten gehen“, erklärt Sandra. Je aufgeregter der Hund ist, umso mehr Ruhe muss der Mensch ausstrahlen. Hektik ist fehl am Platz und würde dem Hund den Eindruck vermitteln, dass sein Herrchen oder Frauchen ebenfalls gestresst ist, wenn Besuch kommt. Stattdessen sollte der Mensch seinem Hund ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Hunde-Bellen stoppen – 1. Schritt: Kurzfristig Abhilfe schaffen

Um den beiden sofort helfen zu können, installierte die Hundetrainerin als erste Maßnahme einen Behälter mit Leckerlis in der Nähe der Eingangstür. Jeder Besucher sollte Rose zur Begrüßung ein Leckerli geben. Da sich das Problem dadurch jedoch nur wenig besserte, sollte stattdessen Silvia selbst Rose eine Handvoll Leckerlis hinwerfen, wenn es klingelte. So war Rose damit beschäftigt, die Leckerlis zu suchen, während der Besuch hereinkam, und bellte nicht, weil sie abgelenkt war. „Rose mag es nicht, wenn Besuch kommt, und ich wollte in ihrem Kopf eine positive Verknüpfung herstellen“, erklärt die Trainerin. „Sie sollte die Erfahrung machen, dass etwas ganz anderes passiert, wenn es klingelt, als das, was sie erwartet.“ Auf die Frage, ob man den Hund mit den Leckerlis nicht ungewollt dafür belohnt, dass er sich aufregt, wenn es klingelt, erklärt die Trainerin: „Das Bellen empfindet Rose sowieso als selbstbelohnend. Dazu kommt, dass Rose im Grunde ein sehr unsicherer Hund ist, und wir sie deshalb auf keinen Fall noch ‚kleiner‘ machen durften, indem wir sie für ihr Verhalten bestrafen. Das ist immer gefährlich bei der Arbeit mit unsicheren Hunden.“

Hunde-Bellen stoppen – 2. Schritt: Den Hund auf seinen Platz schicken

„Rose hatte zuvor gar keinen festen Platz im Haus, wir mussten erst einen festlegen“, erzählt Sandra. Für diesen Zweck wählten sie eine Decke und das Kommando „heia, heia“. Rose ist mit dem Clickertraining vertraut. Wenn Sie, liebe Leser, mit Ihrem Hund üben, führen Sie den Hund auf seinen Platz, während Sie das Kommando freundlich aber bestimmt geben, und belohnen ihn dann dafür, dass er auf dem Platz ist. Üben Sie diesen Schritt so lange, bis der Hund allein auf das Stimmkommando direkt auf seinen Platz geht. Wenn Sie zu den Menschen mit viel Geduld gehören, können Sie auch warten, bis Ihr Hund von selbst auf den Platz geht, sprechen das Kommando gleichzeitig aus und loben ihn.

Hunde-Bellen stoppen – 3. Schritt: Das Auflösekommando antrainieren

Der Hund soll sich nicht nur auf Kommando auf seinen Platz schicken lassen, sondern dort bleiben, bis er dazu aufgefordert wird, seinen Platz wieder zu verlassen. Dazu dient ein Auflösekommando. Das können Sie Ihrem Hund recht einfach beibringen, indem Sie das Kommando aussprechen, wenn der Hund den Platz verlassen darf. Das Auflösekommando sollte sowohl stimmlich als auch körpersprachlich auffordernd beziehungsweise lockend
gegeben werden.

Hunde-Bellen stoppen – 4. Schritt: Der Hund bleibt auf seinem Platz

„Als nächsten Schritt haben wir bei Rose das Bleiben auf der Decke nachbelohnt“, erzählt Sandra. Ging Rose von der Decke herunter, bevor Silvia ihr das Auflösekommando gab, wurde sie wortlos auf die Decke zurückgeführt und  musste dann etwas länger (ein bis zwei Minuten) dort ausharren, bevor sie eine Belohnung für das Bleiben bekam. „Wenn Sie den Hund nicht warten lassen, sondern ihn gleich wieder belohnen, nachdem Sie ihn auf seinen Platz zurückgeführt haben, lernt er, dass er öfter eine Belohnung bekommt, wenn er seinen Platz verlässt“, erklärt die Trainerin.

Hunde-Bellen stoppen – 5. Schritt: Die „Dreier-Regel“

„Rose ist sehr oft von ihrer Decke heruntergegangen, was das Training sehr mühselig machte“, erzählt Sandra. „Deswegen haben wir die sogenannte Dreier-Regel eingeführt: Sie bekam dreimal die Chance, auf ihrem Platz zu bleiben. Hat sie ihn ohne Erlaubnis dreimal verlassen, haben wir sie dort angebunden und einige Minuten lang ignoriert. Wenn sie sich hingegen brav verhalten hat, bekam sie zur Belohnung dann einen Kauknochen oder eine
andere Belohnung, die sie möglichst lange auf der Decke beschäftigt hielt.“ Wichtig: Müssen Sie den Hund anbinden, geben Sie ihm nichts zu fressen, das wäre sonst eine Belohnung für ein vorheriges Fehlverhalten. Etwas zum Kauen geben Sie nur, wenn sich der Hund auf dem Platz ruhig verhält und nicht angebunden werden muss. Der Hund muss immer auf das Auflösekommando warten und darf den Platz nicht einfach so verlassen, das sollte eine Grundregel
sein.

Rose heute: Das Bellen wird weniger…

Nach drei Monaten Training beruhigt sich Rose schon schneller, wenn Besuch kommt. Der Hund bellt viel weniger. Sie ist also auf dem richtigen Weg. „Es ist bei ihr allerdings sehr tagesformabhängig“, sagt Sandra. Natürlich hat Silvia nicht oft die Gelegenheit, mit Besuchern zu üben, sonst wären die Trainingsfortschritte wahrscheinlich größer. Dazu kommt, dass Rose  zwischendurch für einige Wochen bei der Großmutter untergebracht war und dort Narrenfreiheit genossen hat. Deswegen behilft sich ihre Besitzerin bei Bedarf auch immer noch damit, dass sie Rose zur Ablenkung Leckerlis hinwirft, wenn sie Besuch bekommt.

 

DIE EXPERTIN
Sandra Hofmeister ist Hundetrainerin und leitet die Hundeschule „Die Zamperlschule“  in München. Sie ist spezialisiert auf individuelles Training für Problemhunde und artgerechte Auslastung wie zum Beispiel Mantrailing und Dummytraining.

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