Hund kommt nicht, wenn Sie ihn rufen ? – So klappt's garantiert!

Die Befolgung des Rückrufes ist eines der wichtigsten Erziehungsziele für jeden Hund. Dennoch stehen viele Hundebesitzer hier vor einem großen Problem. Unsere Autorin Petra Krivy erklärt, wie man es in den Griff bekommt.

Hanni! Haaanniiiiii! Hannilein! Schatzi! Baby! Hier ! Hiiiiiiiiiiiiiier ! Komm her ! Komm zu mir! Du sollst jetzt kommen! Kommst Du her ? Kommst Du jetzt?“

Sicher kennen Sie das: Egal was Sie versuchen, um ihn in Ihre Richtung zu dirigieren, Ihr Hund kommt nicht.

Die Antwort vieler Hunde auf diese Fragen ist ein klares: „Nein!“ Wer kennt es nicht, dieses Szenario? Amüsant vielleicht, wenn es ein anderes Mensch-Hund-Team betrifft. Peinlich und nervenaufreibend, wenn es um den eigenen Vierbeiner geht, und Ihr Hund kommt nicht. Und das Blut des Betroffenen in Wallung bringend, wenn man auf einen freilaufenden Hund trifft – und vom Hundehalter, der eben noch vergeblich versucht hat, seinen Vierbeiner zurückzurufen, den heute bereits zur Satire mutierten Satz hört: „Der tut nix, der will nur spielen!“

Bei einer nicht geringen Anzahl von Hunden klappt der Rückruf des Hundes nur so „la-la“ und bei wahrscheinlich der gleichen Prozentzahl kommt der Hund rein gar nicht. Warum das so ist – dass der Hund nicht kommt – können die betroffenen Hundehalter oft aus eigener Überlegung schnell erklären, denn sie stellen häufig fest: „Solange etwas anderes nicht interessanter ist, klappt es.“

Rückruftraining: Kein leichter, aber ein langer Weg

Schwierigkeiten mit dem zuverlässigen Rückruf beim Hund haben viele Ursachen. Das Heranrufen, auch und gerade aus tollen Spielsituationen oder actionreichen Unternehmungen, ist eine früh zu übende und konsequent umzusetzende Erziehungsmaßnahme. Mit dem rückruftraining muss bereits beim Welpen, auf jeden Fall aber beim Junghund begonnen werden. Denn sonst kommt der Hund auch nicht, wenn er erwachsen ist!

Der Hund ist ein Opportunist, also ein Lebewesen, welches sein Tun und Handeln am zu erzielenden Erfolg orientiert. Unter diesem Aspekt muss auch das Rückruftraining gesehen werden. Zu seinem Besitzer zu kommen, wenn dieser ihn ruft, muss für den Hund erstrebenswert sein. Es muss sich lohnen, spannender und wichtiger sein, als das gerade so lustbetonte Spiel mit Artgenossen oder die beabsichtigte Verfolgung eines Rehs im Walde. Diese Folgebereitschaft des Hundes zu erlangen, ist häufig kein leichter und vor allem ein längerer Weg als das Einüben von „Sitz“oder „Platz“ – und auch nicht grundsätzlich eine Sache, die, einmal erlernt, ein Leben lang gleich gut funktioniert.

Was macht die Sache so schwierig?

Aus falscher – besser gesagt zu vermenschlichter – Anleitung des jungen Hundes verpassen manche Hundehalter den besten Zeitpunkt zur Grundsteinlegung des sicheren Rückrufes. Damit der junge Hund „so richtig“ seine Jugend genießen kann, darf er frei und unkontrolliert durch die Gegend laufen. Dadurch wird die vom Hund selbstgewählte Distanz zum Menschen immer größer, dafür die Trefferquote beim Rückruf des Hundes immer geringer. Langsam, aber sicher verselbständigt sich der Hund und das – traurige – Ende vom Lied ist ein Hund, der gar nicht mehr von der Leine gelassen werden kann. Und für den Halter die Einsicht: Hilfe, mein Hund kommt nicht!

Biologische Vorgänge spielen mit

Je häufiger der Vierbeiner die Möglichkeit hat, seine Freiheit in vollen Zügen unkontrolliert zu genießen und zum Beispiel auch jagdlich auszuleben, um so häufiger wird er die Gelegenheiten nutzen. Es ist wichtig zu verstehen, dass hierbei auch biologische Vorgänge eine große Rolle spielen: Es ist nicht nötig, dass der Vierbeiner wirklich zu einem Jagderfolg kommt, allein das Hetzen vermag ihn in einen Rauschzustand zu versetzen. Beim aktionsreichen Hinterherlaufen werden mehrere neurochemische Selbst belohnungssysteme aktiviert (Dopamin- und Noradrenalinsystem). Die Begleitumstände dieser Dopaminproduktion werden mit einer positiven Stimmung im Gehirn abgespeichert. Darin liegt ein gewisses Suchtpotenzial, wie es auch von vielen Extremsportlern bekannt ist.

Endorphine, die sogenannten Glücksbotenstoffe, spielen vermutlich auch beim Hund eine nicht zu unterschätzende Rolle: Laufen macht glücklich! Endorphine und Dopamin haben einen hohen Suchtfaktor, da ihre Ausschüttungen jeweils mit lustbetontem Erleben gekoppelt sind. Deshalb wird die auslösende Situation immer wieder, immer leichter und immer schneller angestrebt, die Handlungsbereitschaft für das betreffende Verhalten (hier das Laufen, Rennen, Hetzen) wird bei jedem neuen Ausschütten erhöht.

Hund kommt nicht – Tipps vom Magazin Der Hund, was man dagegen tun kann:

Rückruftraining bedeutet: Vorausschauendes Handeln ist gefragt!

Es gibt etliche Hunde, die weder „Sitz“, noch „Platz“ beherrschen und nie eine Begleithundprüfung bestehen würden. Doch das wichtigste Kommando klappt zuverlässig: Ein Ruf, ein Pfiff – und sie sind da! Damit gestaltet sich das Leben mit ihnen und für sie sehr angenehm. Der Weg dorthin war lang, und er begann früh im Hundeleben. Sobald ein bereitwilliges und interessiertes Erweitern des Bewegungsradius seines Vierbeiners vom Hundebesitzer festgestellt wird, muss konsequent darauf geachtet werden, wo sich dieser gerade aufhält, wo er beabsichtigt hinzumarschieren und welche „Idee“ ihm gerade in den Sinn zu kommen scheint.

Natürlich muss der junge Hund Erkundungsverhalten ausleben können und dürfen, aber eben vom Menschen kontrolliert. Und kontrollierter Freilauf bedeutet für den Jungspund in erster Linie ein Laufen an der Schleppleine. So hat der Mensch auch aus größerer Distanz Zugriffsmöglichkeit, trotzdem ist eine Distanz möglich, die dem Hund die Chance bietet, gleichzeitig entdecken und lernen zu können. Ein gezielt aufgebautes Rückruftraining mit der Schleppleine, einer dünneren Leine aus Kunststoff oder Leder, die am besten an einem Brustgeschirr befestigt wird und keine Handschlaufe hat, ist in vielerlei Beziehung sinnvoll und hilfreich. Vor der Anwendung einer 10 oder gar 15 Meter langen Schleppleine steht das Üben mit einer 5 Meter langen Leine, bei welcher sich der Hund an die ihn verfolgende „Schlange“ gewöhnen kann und der Mensch sich mit dem Umgang vertraut macht.

Übungen für das Rückruftraining mit der Schleppleine

Der Hund läuft voran und darf die Leinenlänge fast komplett ausnutzen. Dann wird er mit Namen oder per Pfeifensignal angesprochen. Kommt der Hund zurück, erhält er sofort eine Belohnung (Futter, Stimme, Spielzeug o. ä.). Kommt der Hund nicht zurück, wird er mittels Leine herangeholt und erhält die Belohnung. Auf mehrmaliges Rufen/Pfeifen wird verzichtet, die Belohnung erfolgt zu Trainingsbeginn immer! Er soll die Erfahrung machen, dass das Zurückkommen auf jeden Fall lohnenswert ist. Alternativ kann der Mensch die Leine aufnehmen und, Sichtkontakt haltend, rückwärts vom Hund weggehen. Da beide Partner mit der Leine verbunden sind, kann der Hund sich nur brav und gehorsam verhalten! Übungen mit der Schleppleine lassen sich leicht in jeden Spaziergang integrieren, gesonderte Trainingszeiten sind nicht notwendig. Solches Rückruftraining vermag sich über viele, viele Monate ziehen und sollte unbedingt ein Muss im Junghundalter sein, um zum Erfolg beim Problem „Mein Hund kommt nicht“ zu führen. Das Rückruftraining eignet sich aber ebenso für ältere Hunde. Hierbei ist zu beachten, dass der Hund beim Nichtbefolgen des Rückrufes auch Konsequenzen erfährt, also zum Beispiel das Heranholen mittels Leine oder das Rückwärtsgehen des Menschen, sodass der Vierbeiner folgen muss. Erst wenn das Rückruftraining an der fünf Meter langen Leine sicher klappt, darf die Leinenlänge erhöht werden. Später arbeitet man sich dann wieder längenmäßig zurück, statt von jetzt auf gleich in den unkontrollierten „echten“ Freilauf zu wechseln. Eindeutige Wort- und Körpersignale sind wichtig Fehler bei der Einübung des Rückrufs des Hundes führen zu unzuverlässiger Befolgung.

Ein ständiges Hinterhergrölen mit zigfacher Namensnennung und einem Anweisungs-Cocktail aus „Hier“, „Komm“, „Zu mir“, „Fuß“ und „Hast du nicht gehört?“ vermitteln dem Hund nur, dass es kein klares Rückrufkommando gibt und ergo auch nichts befolgt werden muss. Der Hund kommt einfach nicht! Hinzu kommt die Unmöglichkeit des Menschen, seine Anweisung durchzusetzen, wenn der Hund sich nicht im unmittelbaren Einwirkungsbereich befindet. So sieht wirksames Rückruftraining nicht aus!

Geht Frauchen oder Herrchen nun womöglich hinter dem Hund her, um ihn einzufangen, lernt der Vierbeiner bestenfalls, dass das gerufene Kommando bedeutet, dass sein Mensch sich auf den Weg zu ihm macht! Und dann könnte man als spielfreudiger Hund ein lustiges „Fang mich doch“-Spiel beginnen! Schließlich braucht auch der Mensch ein wenig Bewegung. Sehr sensible und/ oder unsichere Hunde und auch viele Welpen reagieren auf konträre Signalgebung, die dem Menschen gar nicht bewusst ist. Die Stimme ruft, doch die Körperhaltung mit vorgebeugtem Oberkörper und hervorschnellender Hand scheucht den Hund davon. Das erzeugt vielfach die Hunde, die zumindest bis auf eine gewisse Distanz auf den Menschen zulaufen, um ihn dann in einem weiteren Bogen zu umlaufen – und wieder zu verschwinden. Weiter gibt es vielerlei dem Menschen unbewusste Lernvorgänge, die dem Hund das Zurückkommen auf Zuruf vereiteln. Wird er nur gerufen, weil er an die Leine genommen wird, weil er zurück ins Haus muss, weil es unliebsame Dinge zu erdulden gibt, so wird die Ambition des Hundes, dem Ruf zu folgen, schnell gleich null sein. Auch dies stellt kein effektives Rückruftraining dar.

Das Einüben des zuverlässigen Kommens muss von allen Familienmitgliedern gleichermaßen trainiert werden. Es macht keinen Sinn, wenn der Hund bei Frauchen auf Zuruf kommen muss, beim Herrchen unkontrolliert durch die Gegend stromern darf und die Kinder mit dem eigentlichen Rückrufkommando hinter dem Hund herjagen und Fangen mit ihm spielen – oder besser gesagt, der Hund mit den Kindern! Sicherlich gibt es rasse- und typabhängige Unterschiede in der Umsetzung des Rückruftrainings – manche Hunde kommen schneller, manche langsamer, manche fliegen regelrecht auf ihren Menschen zu, manche trotten gemächlich in dessen Richtung. Die Art und Weise ist letztlich unerheblich, Hauptsache, der Hund kommt, wenn er gerufen wird.

Weitere Tipps zum Rückruftraining:

  • Gewöhnen Sie sich daran, nur einen bestimmten Begriff für den Rückruf bzw. das Rückruftraining zu benutzen, zum Beispiel „Hier“ oder „Zu mir“.
  • Um auch nach einem stressigen Arbeitstag oder Ärger mit dem Nachbarn nicht vor der Situation „Mein Hund kommt nicht“ und ein positiv besetztes, emotionsneutrales Rückrufinstrument zu haben, empfiehlt sich die Konditionierung auf eine Hundepfeife. Sie vermittelt stets das gleiche Signal, was die menschliche Stimme nicht in der Lage ist zu leisten. Dafür wird dem Hund zu Beginn immer ein äußerst schmackhafter Futterbrocken gereicht, wenn die Pfeife ertönt.
  • In der Trainingsphase sollte der Hund immer eine Bestätigung für die Befolgung des Rückrufsignals erhalten! Das kann ein Futterbrocken sein, aber auch die Überlassung eines begehrten Spielzeuges, welches apportierfreudige Hunde dann kurzzeitig tragen dürfen.
  • Sichern Sie Ihren Junghund über eine Schleppleine, verhindern Sie, dass er sich verselbständigt!
  • Packen Sie Futter in eine Knistertüte. Erfahrungsgemäß reagieren Hunde sehr interessiert auf Knistergeräusche und lernen blitzschnell, wenn damit auch noch etwas Schmackhaftes in Verbindung gebracht wird.
  • Üben Sie das Rückruftraining zuerst im Haus ohne große Ablenkung, bevor Sie sich in reizstärkere Umgebung wagen. Ist Ihr Hund im Haus mit irgendetwas für ihn Spannendem beschäftigt, rufen Sie ihn einmal mit Namen und laufen Sie mit der Tüte knisternd von ihm weg. Folgt er Ihnen, so geben Sie das Rückrufkommando, hocken sich nieder und geben ihm, wenn er bei Ihnen ist, Futter aus der Knistertüte.

Befolgen Sie diese Tipps zum Rückruftraining regelmäßig – stehen Sie nie wieder vor der Situation, dass Sie Ihren Hund rufen und der Hund kommt nicht.