Ein Profi verrät, was Sie zum Thema Agility-Training wissen sollten

Auf winzige Nuancen des Gegenübers zu achten und reagieren. Den Hund auch auf Entfernung auf den Zentimeter genau durch den Parcours beziehungsweise auf der Ideallinie führen – das ist der Hundesport Agility. Beim Agility-Training bilden Hund und Mensch eine eingespielte Einheit, die sich blind vertraut. Jeder Parcours ist anders und deshalb ist es jedes Mal eine neue Herausforderung, beim Agility-Training den besten Weg für sich und seinen Hund zu  finden. Melanie Lehmann, seit 17 Jahren Hundetrainerin und seit 1999 mit einer Hundeschule und einem Seminarzentrum selbstständig, verrät Ihnen, was man wissen muss, wenn man Agility als Hundesport erlernen möchte.

Welche Voraussetzungen sollte ein Mensch-Hund-Team unbedingt mitbringen, um Agility zu betreiben?

Um einen Agilityparcours erfolgreich zu bewältigen, sollte das Mensch-Hund-Team schlicht und ergreifend in der Lage sein, zu denken und zu rennen. Der Agilitysportler selbst sollte möglichst Beweglichkeit und Körpergefühl mitbringen. Dies kann aber sehr individuell sein. Auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen haben die Möglichkeit, Agility zu betreiben. Beim Hund sieht dies schon ein bisschen anders aus: Dieser darf keine körperlichen Beschwerden haben und nicht zu großrahmig und schwerfällig sein, aber auch nicht zu klein.

 

Welche Geräte enthält der Agilityparcours?

Zum einen enthält ein Agility-Parcours Sprunggeräte. Wir unterscheiden zwischen normalen Hürden (eine einfache Stange liegt zwischen zwei Hürdenauslegern), dem Reifen, der Mauer, dem Weitsprung, dem Doppelsprung und der Kombination. Zum anderen gibt es noch die Kontaktzonengeräte – hierzu zählen die Wand, das Laufdiel und die Wippe. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass der Hund  beim Agility-Training den farblich gekennzeichneten Bereich, die sogenannte Kontaktzone, am Anfang und Ende des Gerätes mit mindestens einer Pfote berühren muss. Das hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht. Nicht nur das Berühren der Kontaktzonen, sondern auch die Höhe von Laufdiel und Wand bereitet einigen Hunden übrigens anfangs Schwierigkeiten. Die Wippe ist zwar eine wackelige Angelegenheit, aber durch einen gezielten Aufbau – genauso wie an der Wand und am Laufdiel – für den Hund leicht zu meistern. Der Slalom ist neben dem Aufbau der Kontaktzonen das Gerät, an dem die meiste „Fleißarbeit“ geleistet werden muss, damit der Hund lernt, dieses Gerät beim Agility Training selbstständig ohne Hilfe seines Besitzers zu erarbeiten. Der Tunnel wird nach kurzen anfänglichen Bedenken von den meisten Hunden geliebt. Damit der Hund lernt, all diese Agility-Geräte gut zu absolvieren, sind ein zielgerechter Trainingsaufbau, ein gewisses Grundwissen
zu Lerntheorien und -verhalten sowie Kenntnisse der Körpersprache des Hundes unabdingbar.

 

Ein Agility-Parcours kann recht knifflig zusammengestellt sein. Wie sollte der Trainingsaufbau aussehen, damit Mensch und Hund möglichst jeden Parcours fehler und verletzungsfrei meistern können?

Nach dem einzelnen Trainingsaufbau werden die Agility-Geräte nach und nach miteinander kombiniert und dann in Sequenzen austrainiert sowie die Führtechnik perfektioniert. Beim Sequenztraining ist die Kreativität des Trainers gefragt, um immer neue Herausforderungen eines Agility-Parcours zu meistern. Mensch und Hund sollten eine Einheit bilden, sich gegenseitig achten und vertrauen und gut aufeinander eingespielt sein.

 

Welche Übungen können im Training und im Alltag mit dem Hund durchgeführt werden, die ihn auf den Agility-Parcours vorbereiten?

Fördern Sie beim Agility-Training die Trittsicherheit, das Körperbewusstsein, die Motorik und das Gangbild Ihres Hundes. Machen Sie Übungen zur Beweglichkeit und Geschicklichkeit sowie zur Konzentrationsfähigkeit. Clickern Sie Bewegungsabläufe wie z.B. am Slalom. Lassen Sie Ihren Hund über fest gestapelte Baumstämme laufen, um ihn an die Höhe des Laufdiels zu gewöhnen. Trainieren Sie sämtliche Wechsel auf dem Spaziergang, gewöhnen Sie ihn dort an die Führtechniken und sensibilisieren Sie ihn darauf. Üben Sie Geschwindigkeitswechsel sowie unterschiedliche Arbeitsabstände. Trainieren Sie schräge Kontaktzonenaufgänge und zuverlässige -abgänge. Kontrollieren Sie den Erregungslevel Ihres Hundes: Lehren Sie ihn, zu warten – auch unter starker Ablenkung, wie Sie es am Start oder an den Kontaktzonen benötigen. Schicken Sie Ihren Hund voraus und bringen Sie ihm bei, an der Hand zu laufen und, und, und. Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt!

 

Im Handel sind mittlerweile viele Agilitygeräte für den Hausgebrauch erhältlich. Was ist von  „Garten-Agility“ zu halten? Und was davon, sich einen Hindernisparcours aus Alltagsgegenständen zu basteln?

Für den erfahrenen Sportler sowie den Einsteiger unter fachmännischer Anleitung ist dies eine absolut sinnvolle und wichtige Ergänzung. Viele kleine, aber durchaus wichtige Trainingsziele des Agility können im heimischen Garten trainiert werden. Allerdings ist ein Agility-„Hometraining“ ohne ein Basiswissen über Agility dem Hund gegenüber schon fast verantwortungslos.

 

Was raten Sie Interessierten, die sich – aus verschiedenen Gründen – bisher nicht „getraut“ haben, den Agility-Sport mit ihrem Hund auszuüben?

Wenn der Hund gesund ist: Einfach ausprobieren und sich vom „Virus“ Agility infizieren lassen! Agility kann mit so vielen unterschiedlichen Zielsetzungen betrieben werden, so dass dieser Sport nicht nur für sportliche Hundebesitzer geeignet ist. Tipp für Hundetrainer: Arbeiten Sie in Ihrer Hundeschule mit vielen unterschiedlichen Teams!

 

Interviewpartnerin: Melanie Lehmann, Hundeschule Melanie Lehmann

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