Selbstständig als Hundetrainer – Teil 1: Die Startfinanzierung

Sie sind Hundetrainer – und nun geht es los! Aber es heißt nicht nur praktische Arbeit mit dem Hund und Herrchen, sondern auch selbständig dafür zu sorgen, sich selbst ernähren zu können. Damit die Selbständigkeit auch für den Trainer Erfolg und Spaß zugleich bringt, haben wir hier ein paar Tipps und Kniffe zusammengeschrieben.

Bei Hundetrainern gibt es in der Praxis fast immer 3 Bereiche die im wesentlichen den Erfolg bzw. Misserfolg beim Schritt in die Selbstständigkeit steuern.

  1. Die Startfinanzierung
  2. Das Marketing
  3. Der Hundetrainer

 

Im ersten Teil unser Serie „Selbstständig als Hundetrainer“  informieren wir über die Startfinanzierung, somit um alle reinen Startkosten, Investitionen zur Existenzgründung und um die Liquiditätssicherung in der Startphase.

Zunächst sollte sich jeder Hundetrainer einen genauen Überblick verschaffen, welche Kosten auf betrieblicher und privater Seite entstehen. Dazu kommen noch zusätzliche Kosten für die Anschaffung von Ausstattung und weiterer Betriebsmittel, sowie Steuern. Als Anhaltspunkt, was Sie alles benötigen, dient unsere kostenlose Checkliste.

Im Regelfall dauert die Startphase für einen Hundetrainer zwischen 6 und12 Monaten, danach sollte die Hundeschule wirtschaftlich rentabel sein. Je nachdem, ob der Hundetrainer sich haupt- oder nebenberuflich selbstständig macht, investiert er unterschiedlich viel Zeit in die Planung und Umsetzung seiner Hundeschule. Natürlich gibt es auch sehr gute Praxisbeispiele, die zeigen, dass es auch schneller gehen kann.

Nutzen Sie bei geringen Investitionskosten im ersten Jahr auch die sogenannte Kleinunternehmerregelung nach §19 Umsatzsteuergesetz. Diese Vereinfachungsregel im Umsatzsteuergesetz führt dazu, dass Sie von ihren Einnahmen keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen müssen, wenn Ihr jährlicher Umsatz unter 19.500,- liegt. Besonders häufig machen Hundetrainer, die im Nebenerwerb starten, von der Kleinunternehmerregelung gebrauch. Sobald Sie Ihr Gewerbe angemeldet haben, wird Ihnen das Finanzamt einen Erfassungsbogen schicken. Auf dem können Sie ankreuzen, ob Sie vorläufig als Kleinunternehmer tätig sein wollen. Kommen Sie über den Betrag, werden Sie umsatzsteuerpflichtig. Kalkulieren Sie diesen Schritt direkt bei Ihrem Stundensatz mit ein. Sonst gibt es eine böse Überraschung, wenn Sie die Stunden plötzlich um 19% anheben müssen, weil Sie die Umsatzsteuer zuvor nicht bedacht haben.

 

Begriffe rund um die Selbstständigkeit

  • Investitionen sind in der Regel einmalige Kosten wie z.B. der Kauf von Büromöbeln oder PCs.
  • Liquidität bedeutet vereinfacht man kann seine Rechnungen und Barausgaben alle pünktlich bezahlen.
  • Betriebsmittelkosten sind z.B. die Ausgaben für das Auto, Miete für den Hundeplatz, Brief- und Portokosten, Versicherungen, etc.
  • Wirtschaftlich rentabel ist eine Hundeschule wenn von den Einnahmen alle anfallenden Kosten (privat und beruflich) incl. Steuern bezahlt werden können.
  • Bilden Sie für ihre Einkommenssteuer eine Rücklage. Alternativ aber in der Praxis bei Existenzgründern unüblich können Sie direkt eine entsprechende Einkommenssteuervorauszahlung an das Finanzamt leisten.
  • Umsatzsteuer ist die Steuer die Sie als normaler Unternehmer auf den Nettopreis zuschlagen und an das Finanzamt abführen müssen.

Checkliste: Vorgehensweise in der Praxis

Wie kann ich als Hundetrainer vorgehen und erkennen, ob ich die Startfinanzierung schaffe?

  1. Kalkulieren Sie zunächst die wirklich notwendigen privaten und betrieblichen Kosten zusammen. Vermeiden Sie dabei Kosten, die zwar wünschenswert wären, aber gerade in der Startphase nicht unbedingt sein müssen und Ihre Liquidität belasten.
  2. Erstellen Sie eine Monatsplanung mit all Ihren Kursen und Einzelstunden und errechnen Sie das daraus mögliche Einkommen. Hier ist es wichtig in der Startphase mit langsam ansteigenden Kundenzahlen und daraus resultierend mit geringeren Einnahmen zu kalkulieren.
  3. Vermeiden Sie allerdings auch, zu pessimistisch zu kalkulieren und vor allem berechnen Sie Ihren Kunden mindestens normale Preise. Viele Hundetrainer erliegen dem Irrglauben, über günstige Preise mehr Kunden zu gewinnen, das hat sich in der Praxis nicht bewahrheitet. Außerdem sind spätere Preissteigerungen im Bereich von 20-40% nur schwer erklärbar.
  4. Planen Sie auf jeden Fall ausreichend Kosten für Ihr Marketing ein. Gerade in der Startphase müssen verschiedene Marketinginstrumente auf ihre Wirksamkeit hin getestet werden. Und was bei Max Mustermann funktioniert, muss noch lange nicht bei Ihnen zum Erfolg führen.
  5. Erstellen Sie übersichtlich (z.B. mit einer Tabellenkalkulation wie Excel) einen Plan, in dem Sie sofort sehen können, wie sich Ihre finanzielle Lage privat und betrieblich in den ersten 12 Monaten, jeweils einzeln betrachtet, darstellt.
  6. Prüfen Sie ggf. mit externer Hilfe (Gründungsberater), welche möglichen Fördermittel Ihnen für Ihre Hundeschule zur Verfügung stehen und was Sie dafür tun müssen um diese zu erhalten. In der Praxis stehen direkte Zuschüsse, Beratungskostenersatz oder –zuschüsse, vergünstigte Gründerkredite, Seminar- und Weiterbildungsbeihilfen, Kostenbeteiligung für Webseitenerstellung, Zuschüsse für Messeauftritte, Bürgschaften und auch Beteiligungen als staatliche Fördermittel zur Verfügung. Hierbei gilt es zu berücksichtigen das je nach Standort der Existenzgründung ganz unterschiedliche Fördermittel verfügbar sein können.
  7. Der Gründungzuschuss ist ein besonderes Förderinstrument das bei der Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit I beantragt werden kann. Besonders interessant dabei ist das der Gründungzuschuss nicht versteuert wird, noch auf das Einkommen des Existenzgründers angerechnet wird. Er besteht aus 2 Bausteinen – dem individuellen ALG I Anspruch und einer Sozialpauschale in Höhe von 300,- Euro. Bei entsprechender Vorbereitung bestehen nach wie vor sehr gute Chancen hier bis zu 10.000 Euro an finanzieller Förderung für eine sichere Existenzgründung zu erhalten.
  8. Planen und besprechen Sie einen Gründerkredit mit ihrer Hausbank, diese handelt z.B. für die KfW als durchleitende Bank. Sprich die Hausbank prüft für die KfW Bank Sie und ihr Hundeschulenkonzept auf Tragfähigkeit. Dabei hat es sich in der Praxis immer als Vorteil bewährt, wenn der Lebenspartner als Angestellter über ein regelmäßiges Einkommen verfügt.
  9. Erstellen Sie für sich selbst ein Kontrollsystem in dem Abweichungen schnell erkannt werden und Sie dann angemessen darauf reagieren können. Teilen Sie das Jahresziel z.B. ein Gesamtumsatz von 40.000 Euro in realistische Zwischenziele auf.

 

Haben Sie weitere Fragen im Bereich Existenzgründung, melden Sie sich gerne bei uns in der Redaktion. Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.